“Wir sind auf der Strecke, nicht am Ziel”

23. November 2016

Zwar haben die Landesliga-Fußballer der TSG Calbe allein in der Hinrunde noch vier Spiele vor sich, dennoch lohnt sich ein Blick auf den derzeitigen Stand: nach neun Siegen und zwei Niederlagen sind die Saalestädter angekommen – inzwischen sogar an der Spitze der Tabelle.

Zwar hatten sie den Platz an der Sonne schon einmal inne, mussten ihn aber zwischenzeitlich an den VfB Germania Halberstadt II abtreten, der rein von der Statistik auch der härteste Gegner der Calbenser ist. Die Reserve der Halberstädter weist momentan 25 Punkte auf. Und damit zwei weniger als die TSG. Mit einem Torverhältnis von 42:18 stellen die Harzer die stärkste Offensive, Calbe mit einem Verhältnis von 32:10 dafür die beste Defensive. Platz drei nimmt der SV Westerhausen (22 Punkte) ein.

Mit dem derzeitigen ersten Platz ist in dieser Saison noch nichts erreicht. Das weiß nicht nur TSG-Trainer Marko Fiedler, das weiß auch die gesamte Mannschaft. Und hat das verinnerlicht. „Natürlich wollen wir den ersten Platz verteidigen“, unterstreicht auch Maik Adrian. „Aber wir gucken von Spiel zu Spiel. Das nächste ist immer das schwierigste.“ Woche für Woche. Mit seinen 33 Jahren gehört der Stürmer zu den erfahreneren Akteuren der Mannschaft. Zwischen 19 und 35 Jahren liegt die Altersspanne des 21-Mann-Kaders. Eine gute Mischung also. Adrian läuft, nach verschiedenen Stationen, nun in der dritten Saison wieder für die TSG Calbe auf. Er ist damit zurückgekehrt. In seinen Heimatverein, in dem er das Einmaleins des Fußballsports erlernte. Aber obwohl er seine Erfahrung bestätigt, möchte er keine Leitfigur sein: „Ich gebe auch mal einen Tipp, aber ich sehe mich nicht verantwortlich.“ Für ein Team, dass „eine gute Arbeit leistet und sich in allen Bereichen weiterentwickelt. Ich bin stolz auf die Truppe“, so Adrian.

Bestimmt ist auch ein Funke Glück mit dabei. Die Mannschaft ist in der Breite sehr gut aufgestellt, die Qualität ist hoch, die Trainingsbeteiligung optimal, Verletzte gibt es kaum. Coach Fiedler gibt aber zu bedenken, dass jeder Landesliga-Konkurrent in der Lage sei, Calbe zu besiegen, sollte die eigene Einstellung nicht stimmen. Er erinnert sich da an die Begegnung beim FSV Heide Letzlingen zurück. Dort verlor die TSG mit 2:3. „Vielleicht war das nochmal eine Warnung zur rechten Zeit“, sagt Fiedler heute. „Wir haben vor keinem Gegner Angst. Aber vor jedem Respekt.“

Die Stimmung der Elf ist sehr positiv. Das richtige Mittelmaß gefunden. „Höhenflüge gibt es nicht. Die Spieler bremsen sich gegenseitig aus.“ Und auch wenn der ein oder andere Calbenser auf regelmäßige Einsatzzeiten verzichten muss, ist die Motivation außerordentlich. „Es kommt kein Neid auf“, bestätigt der Coach. „Die Mannschaft motiviert sich selbst sehr gut. Niemand lässt sich hängen. Auch die, die beim Spiel draußen sitzen, wissen, dass sie an einem Stammplatz kratzen.“ Als Beispiel nennt er die beiden TSG-Torhüter Rico Willner und Benjamin Richter. „Benjamin muss derzeit in den sauren Apfel beißen. Trotzdem ist er konzentriert, erwärmt sich vor einem Spiel vernünftig. Sie unterstützen sich gegenseitig, motivieren sich. Beide sind sehr ehrgeizig.“

Aber schwingt, trotz der Bodenständigkeit, in der ganzen guten Stimmung nicht auch schon ein wenig der Gedanke an den Aufstieg mit? „Mit Platz eins zu diesem Zeitpunkt ist noch nichts erreicht“, warnt Fiedler. Bis zum Ende der Saison vergeht noch viel Zeit. Und bis dahin haben die Saalestädter noch viel vor sich. „Wir müssen unsere Leistung jede Woche neu bestätigen. Wenn ein Aufstieg möglich ist, werden wir nicht ‚Nein‘ sagen. Aber wir müssen uns das auch erarbeiten.“

„Oben mitspielen“ bleibt aber Bedingung. Adrian sieht ebenfalls das Potential für einen möglichen Aufstieg des Teams. „Jeder von uns hat Qualität am Fuß. Mit der Mannschaft die wir haben, ist ein Aufstieg möglich. Und wenn man erstmal in der Verbandsliga ist, kann man da auch mithalten.“ Adrian, der zwar ruhiger treten, aber dennoch höherklassig spielen wollte. Der den Fokus auf seinen Sohn und dessen fußballerische Karriere legen wollte, findet: „Es ist eine schöne Erfahrung, die ich jetzt mit 33 Jahren noch einmal mache.“

Die Mannschaft der TSG Calbe „hat sich die Tabellenführung redlich verdient“, so der Trainer. „Aber es ist nur eine Momentaufnahme.“ Am kommenden Sonnabend ist der FC Einheit Wernigerode am Heger zu Gast. Dann kann sich die TSG beweisen.

Quelle: Volksstimme Schönebeck vom 23. November 2016


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