Eine Vielzahl an Chancen

15. May 2010

TSG Calbe – VfB Germania Halberstadt II 1 : 0 (1 : 0)

Quelle: Volksstimme von Frank Nahrstedt

Der Jubel war ebenso groß wie die Erleichterung. Philipp Müller war der Erste, der am Sonnabend beim Abpfiff die Arme hochriss. Mit der TSG Calbe hatte er soeben Germania Halberstadt II mit 1 : 0 (1 : 0) bezwungen. Das Team bleibt dennoch auf dem 14. Platz, da Gardelegen gegen den 1. FSV Nienburg einen 2  : 0-Erfolg eingefahren hat.

Das Einzige, was Müller nicht gelang, war, sich zu belohnen. Ob mit Kopfbällen in der Abwehr, mit seiner Schnelligkeit beim Ablaufen seiner Kontrahenten oder mit seiner Präsenz in den Zweikämpfen – seine Gegenspieler hatten oft das Nachsehen. Die größte Chance auf einen Treffer hatte Müller nach einem starken Befreiungsschlag von Thomas Wolff, den Stürmer Alexander Menz auf der rechten Seite erlief und in den Rücken der Abwehr passte. Doch Müller verzog knapp am langen Pfosten vorbei. In der Phase erspielte sich Calbe ein Übergewicht, ließ die Chancen aber aus, beispielsweise durch Denis Neumeister. Er kam entweder einen Schritt zu spät oder erreichte den Ball nicht, der auf dem nassen Untergrund einfach zu schnell wurde, um noch erlaufen werden zu können. So vergab er aussichtsreich nach einem Konter, als er nur noch die Fußspitze an den Ball bekam und diesen in die Arme des Keepers schoss. Und Laufarbeit, davon hatte sowohl er als auch Alexander Menz eine Menge zu leisten. “Wir greifen den Gegner früher an als sonst”, erklärte René Kausmann aus dem Trainergespann mit Detlef Drachenberg die ansteigende Formkurve in den vergangenen Spielen. Die Stürmer müssen also bereits in der gegnerischen Hälfte auf den Ballführenden Druck ausüben. Und das kostet Kraft. Neumeister versuchte zum Ende der Begegnung, seinem Gegenspieler frühzeitig zu entwischen, lief aber ein ums andere Mal ins Abseits.
Ebenfalls von diesen Umstellung betroffen war Tobias Plantikow. Seit vier Spielen kommt er auf der linken Seite der Viererkette zum Einsatz. Nach Ballgewinnen nutzte er immer wieder die Gelegenheit, mit seiner Schnelligkeit die Konter einzuleiten. Das funktionierte bereits gegen Nienburg, das funktionierte gegen Halberstadt II. Sein Pendant auf der rechten Seite war Sascha Bergholz, der zudem eine gute Übersicht bewies und die Seitenwechsel klug initiierte.Die tragische Figur dieser Partie war wohl Halberstadts Florian Köhler. Erst verpasste er die Möglichkeit zum Ausgleich (57.), als der sicher und stark auftretende Sebastian Zapke seinen wohl einzigen Fehler machte und über den Ball trat, dann setzte Köhler einen Freistoß an die Querlatte (60.) und verschoss im Anschluss einen Straßstoß nach Handspiel (63.). Obwohl er diesen nicht nur einfach verschoss, sondern vielmehr an TSG-Keeper Christian Harant scheiterte.
Germania vergab also in Hälfte zwei die wenigen Chancen, die es bekam. Zu schwer tat sich das Team nach den Umstellungen. Im Gegensatz zum 5:1-Sieg über Barleben am Mittwoch fehlten Coach Dirk Kanter die erfahrenen Akteure. Diese wurden durch junge Spieler ergänzt. “Sie sind teilweise noch recht unerfahren”, sagte er gegenüber der Volksstimme.
Sie hatten einen schweren Stand gegen die starke Innenverteidigung mit Zapke und Sven Noack. Das Einzige, das der Coach bemängelte, war das Timing bei Kopfbällen. Die weiten Abschläge von Germania-Keeper Chris Borgsdorf rutschten des Öfteren durch, so dass es am Strafraum der Gastgeber durchaus gefährlich wurde. In Halbzeit eins hat das Team daraus nicht eine Tormöglichkeit gemacht. Peter Köhler, der Mannschaftsleiter der TSG, hatte 9:0-Möglichkeiten zugunsten der Gastgeber notiert. Von dieser Vielzahl an Chancen nutzten sie aber nur eine. Thomas Schmidt war nach einer scharfen Hereingabe zur Stelle (40.). Menz traf zuvor nur das Außennetz (41.). Auch bei ihm war der Jubel nach dem Abpfiff groß.

TSG Calbe/Saale: Harant, Menz, Neumeister (86. Voigt), Plantikow, Müller, Bergholz, Strobach, Zapke, Schulze (60. Wolff), Noack, Thomas Schmidt

VfB Germania Halberstadt II: Borgsdorf, Höbbel, Schwarzenberg, Rudloff, Rust (60. Neuhaus), Amtage, Kessler, Köhler, Fricke (52. Backsmann), Kremer, Uhte

Schiedsrichter: Falk Warnecke (Magdeburg)
Assistent I: Bernd Fritzsche
Assistent II: Tobias Menzel

Ergebnis: 1 : 0 (1 : 0)
Zuschauer: 71
Tore: 1 : 0 Th. Schmidt (40.)
Verwarnungen: Müller, Plantikow – Schwarzenberg, Rudloff
Gelb/Rot: keine
Rot: keine


verwandte Artikel