Nur zu Beginn an Sensation gekratzt

19. June 2017

Drei Tore in neun Minuten entschieden das Spiel für den SV 09. Vorher scheiterte Calbes Alexander Gente aber mit einer großen Chance am 1:1.

Der vielstimmige und ohrenbetäubende Lärm, der da über den Sportplatz in Peißen schallte, war selbstverständlich. „Doublesieger, Doublesieger“, sangen die Fußballer vom SV 09 Staßfurt am Freitag nach dem 5:1-Finalsieg im Salzlandpokal gegen die TSG Calbe II und sprangen dabei immer wieder im Kreis. Die Staßfurter haben nach der Meisterschaft in der Landesklasse III ihre Saison perfekt gemacht.

Wirklich gefährdet waren sie gegen den Salzlandligisten nicht. „Es war kein Glanz-Spiel“, sagte SV 09-Trainer Jens Liensdorf. „Aber man muss nicht päpstlicher sein als der Papst. Wir haben das gut heruntergespielt.“ Für den Trainer war es ein schönes Geburtstagsgeschenk. Denn Liensdorf ist am Freitag 36 Jahre alt geworden. „Das war auch mein Wunsch. Ich hatte Urlaub und am Nachmittag schon mit der Familie gefeiert. Und abends haben mich die Spieler nochmal beschenkt.“

Dabei hatte Calbe II zu Beginn des Spiels Gegenwehr geleistet. Vor allem mit langen Bällen, was Liensdorf „völlig legitim“ fand, erspielte sich die TSG Spielanteile. Nach einer Flanke über mehr als 50 Meter hatte Alexander Gente Staßfurts Keeper Philipp Beier umkurvt. Steven Stachowski kratzte den Ball aber von der Linie (8.). „Die ersten 20 Minuten waren wir gut drin. Das 1:1 wäre nicht unverdient gewesen“, sagte Calbes Coach Björn Bardehle, der zum Zuschauen verdammt war. Der Trainer wurde Ende Mai im Spiel bei Wacker Felgeleben für vier Spiele gesperrt. Detlef Sobczak, Co-Trainer der Ersten und gute Seele des Vereins, übernahm für ihn an der Seitenlinie.

Aber Bardehle war trotzdem im Bilde und sah aus dem Publikum, dass Staßfurt nach dem 1:0 durch Dustin Abresche Mitte der ersten Halbzeit ernst machte. Felix Jesse mit einem Doppelschlag (25., 29.) und Matthias Lieder (34.) erhöhten rasch auf 4:0 für den Favoriten. „Das Tempo war hoch. Das ist eine technisch und spielstarke Mannschaft. Wir wollten das Spiel offenhalten, haben aber gemerkt, dass das nicht klappt. Staßfurt war zwei Klassen besser“, gab Bardehle zu.

Zwei Aufreger gab es dann aber noch in der zweiten Hälfte. In der 72. Minute bekam der SV 09 einen Handelfmeter. Benjamin Kollmann trat an, kullerte den Ball aber nur etwa fünf Meter in den Strafraum. Stefan Stein vollendete aus vollem Lauf. Das war so geplant. Auch Lionel Messi und Luis Suárez hatten einst so einen Trick gemacht. „Ich fand das respektlos. Das muss nicht sein“, meinte Bardehle. Genauso sah er das beim Foulefmeter (76.). Auch da trat Kollmann an, wollte den Ball wie Zinedine Zidane im WM-Finale 2006 lässig unter die Latte löffeln.

Der Ball ging aber einen Meter drüber. Da war dann auch Liensdorf verstimmt. „Das muss nicht sein. Wir haben das nach dem Spiel angesprochen. Aber ich will das nicht auf die Goldwaage legen.“ Immerhin gelang Calbe II noch der Ehrentreffer durch Daniel Weisheim (88.). Die Staßfurter saßen dann noch bis in späten Abendstunden zusammen. Double-Sieger wird man eben nicht alle Tage. Calbe II tröstete der Einzug ins Finale. „Wir sind mit dem Abschneiden sehr zufrieden“, so Bardehle.

Tore: 0:1 Dustin Abresche (5.), 0:2, 0:3 Felix Jesse (25., 29.), 0:4 Matthias Lieder (34.), 0:5 Stefan Stein (72.), 1:5 Daniel Weisheim (88.)

Schulz: Schulz (Bernburg)

Zuschauer: 226

Calbe II: Belajew – Berner, Noack, Webel (79.Heyer), Meissner, Schmidt, Recklebe (60 Kober), Gente (70. Dummer), Baartz (46. Rudnick), Daniel, Weisheim

Staßfurt: Beier – Stein, Abresche, Müller, Unger, Jesse, Lieder (70. Kollmann), Stachowski, Moye (70. Horstmann), Mähnert, Härtge (70. Nagel)

Quelle: Volksstimme Schönebeck vom 19. Juni 2017


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