Die „Mentalitäts-Monster“ sind zurück

18. September 2017

Nach drei Sieglos-Auftritten zum Saisonstart wurde von der TSG Calbe eine Antwort erwartet. Und was für eine die Landesliga-Fußballer von der Saale am Sonnabend gegen den SV Irxleben gaben: Beim 5:3 (2:1)-Heimerfolg bot die TSG nicht nur den 85 Zuschauern reichlich Spektakel, sondern stürzte auch den vormaligen Tabellenführer.

Freunde klarer Worte sind bei Marko Fiedler seit je her an der richtigen Adresse. „Jetzt wehrt euch endlich“, gab der Trainer der TSG Calbe seinen Schützlingen am Samstagnachmittag nach rund 55 Minuten zu verstehen. Eigentlich eine unmissverständliche Ansage, doch es gehörte wohl einfach zur Dramaturgie dieses Landesliga-Duells dazu, dass es einen weiteren Weckruf brauchte. Diesen lieferte drei Minuten später Irxlebens André Beck, der allzu inkonsequentes Vor-sich-hin-Verteidigen im Strafraum mit dem 2:2-Ausgleich bestrafte.

Preisfrage: Hätte die TSG an den ersten drei Spieltagen nach diesem Rückschlag noch mit 5:3 gewonnen? „Wir haben volles Vertrauen zur Mannschaft“, stellte Calbes Co-Trainer Detlef Sobczak einerseits nach dem Abpfiff klar, fügte aber sicherheitshalber an: „Für die Moral war dieser Sieg natürlich ungemein wichtig.“ Andererseits erweckte das zweite Saisonheimspiel der TSG den Eindruck, dass diese nach einigem Anlauf endgültig in der Spielzeit angekommen ist.

So hatten es die Gastgeber dann auch zu Beginn besonders eilig. Die Partie lief nur wenige Momente, die Irxleber Viererkette schien noch anderweitig beschäftigt, da hatte Maik Adrian bereits die 1:0-Führung hergestellt. „Wir hatten über alles gesprochen – wer bei Calbe gefährlich ist, wie sie spielen –, doch schon nach sieben Sekunden war unser Matchplan dahin“, schimpfte SVI-Trainer Thomas Sauer, der mit seiner Elf als Tabellenführer an die alte Wirkungsstätte gereist war.

Diesem Prädikat schienen die Gäste dann auch gerecht werden zu wollen, in der Folge kamen sie besser in die Partie. So konnte Stürmer Paul Stier nach knapp einer halben Stunde im TSG-Strafraum nur noch mit unlauteren Mitteln am Torerfolg gehindert werden. Diesen besorgte aber Tobias Herrmann mit dem fälligen Strafstoß (27.).

Der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich war aber zugleich der erste Beweis des Tages, dass die Calbenser ihre Nehmerqualitäten neu entdeckt haben und nicht verlegen sind, auch auszuteilen. Wiederum Sturmspitze Adrian besorgte kurz vor dem Seitenwechsel die erneute Führung. „Klasse, wie die Jungs nach dem Gegentreffer aufgestanden sind. Sie haben Moral gezeigt“, lobte Sobczak. Da war also wieder dieses starke Wort, das auch in der zweiten Hälfte eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Denn nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Gastgeber als waschechte „Mentalitäts-Monster“.
Kongeniales Sturm-Duo

Unmittelbar nach Becks Treffer zum 2:2 nämlich fand die Maik-Adrian-Show ihre Fortsetzung: Von den Irxlebern Tino Ahlemann und Andreas Krause kurz hinter der Mittellinie nur freundlich um den Ball gebeten, behauptete der 34-Jährige das Spielgerät und legte für Sturmpartner Lucas Dübecke in der Mitte auf – 3:2 (60.). Der TSG-Youngster wollte seinem Nebenmann nun offenbar in nichts nachstehen, band nur zwei Minuten später ebenfalls zwei Gegenspieler, ließ diese stehen und umkurvte auch noch SVI-Keeper Sebastian Deumeland beim 4:2 (62.).

In der Folge stand sein Gegenüber Philip Küster im Fokus. Mit zwei klasse Reflexen in der Schlussphase sicherte der TSG-Keeper seinem Team weiter den Führung, auch wenn ihm in der 80. Minute Herrmann den Ball aus den Fingern spitzelte und auf 3:4 aus Gästesicht verkürzte. Sobczak lobte aber: „Ich ziehe meinen Hut vor Philip, der mit seinen 18, 19 Jahren einen super Auftritt gezeigt hat. Ich ziehe den Hut vor der gesamten Mannschaft. Alle haben gebrannt und perfekt umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.“

So kam es dann auch nicht von ungefähr, dass sich auch Enrico Palm zwei Minuten vor dem Ende für seinen unermüdlichen Einsatz belohnte. Nach langem Diagonalball schüttelte er Bewacher Ahlemann ab und zog aus spitzem Winkel zum 5:3-Endstand ab. Der krönende Abschluss einer Partie, die sich als Wendepunkt nach dem bislang holprigen Auftakt erweisen soll, wie auch der Co-Trainer hofft, zugleich aber auf die Euphoriebremse tritt: „Ob der Knoten jetzt geplatzt ist, werden die nächsten Spiele zeigen. Wir hoffen es natürlich.“

Calbe: Küster – Buszkowiak, Harms, Voigt, Gernat, Baartz, Denisenko (53. Hellige), Schmidt, Palm, Dübecke (90. Schellbach), Adrian (74. Lull)

Irxleben: Deumeland – Hartmann (65. Langwinski), Reich, Tino Ahlemann, Zander, Krause (65. Kotulla), Beck, Hahn, Lange, Stier (79. Köhler), Herrmann

Tore: 1:0 Maik Adrian (1.), 1:1 Tobias Herrmann (27., FE), 2:1 Maik Adrian (45.), 2:2 Timo Lange (58.), 3:2, 4:2 Lucas Dübecke (60., 62.), 4:3 Tobias Herrmann (80.), 5:3 Enrico Palm (88.)

Schiedsrichter: Tim Gräbitz (Elster), Stefanie Vehse, Christopher Manchen

Zuschauer: 85

Quelle: Volksstimme Schönebeck vom 18. September 2017


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